PETER SCHMERSAL

Biografie

Schmersal studierte von 1971 bis 1975 Grafikdesign in Wuppertal und war danach als Grafikdesigner tätig.  Ab 1978 beschäftigte er sich mit der Malerei. Von 1980 bis 1982 war Schmersal Gaststudent bei Raimer Jochims an der Frankfurter Städelschule. Anschließend verbrachte er eineinhalb Jahre in Paris und dann an wechselnden Wohnorten in Deutschland.

Mitte der 1980er Jahre sind vornehmlich Stillleben, Landschafts- und Architekturdarstellungen entstanden. Den Motiven aus dieser Zeit haftet bereits eine gewisse Beiläufigkeit an, sie erscheinen in flüchtigen Momentaufnahmen, die durch eine fragmenthafte Ausführung gekennzeichnet sind. Die Stillleben zeigen klassische Sujets: Blumen, Früchte, tote Tiere und Alltagsgegenstände wie Flaschen, Servietten, Schemel oder Tische. Die Motivwahl orientiert sich, wie in der Folgezeit immer wieder, auch an historischen Vorbildern, zum Beispiel an Claude Monets Getreideschober, um in Variationen zu eruieren, inwieweit ein Motiv malerisch ausgereizt ist (vgl. Heuhaufen, 1986, und Heuballen, 1989). Es geht Schmersal folglich um ein Ausloten an technischen wie visuellen Möglichkeiten in der Malerei, die durch seine zeitgenössische Handschrift erweitert wird: „Warum gegenständliche Malerei? Kein bildnerisches Konzept, keine Gestaltung im Sinne von arrangieren oder abstimmen; keine theoretische oder optische Idee. Der Gegenstand ist Konzentrationspunkt“, so der Künstler. „Was für Gegenstände? Theoretisch sind alle Gegenstände gleichberechtigt, es gibt keine Werte. Entscheidend ist der Gegenstand als Textur, als stoffliche Erscheinung in einem bestimmten Zusammenhang oder Verhältnis.“

Zu Beginn der 1990er Jahre folgen neben Stadtlandschaften vor allem Auseinandersetzungen mit dem Porträt, das ebenfalls häufig fragmentiert, nicht nur frontal, oft auch in einer ungewöhnlichen Auf- bzw. Untersicht (vgl. Andreas Bär, 1996, und Caroline Rudorff, 1999) umgesetzt ist, bis hin zu einer physiognomischen Detaildarstellung, zum Beispiel der Mund- und Augenpartien (vgl. die beiden kleinformatigen Werke Mund / Auge / Jerry Mitchell, 1996). Auch bei den zahlreichen Selbstporträts interessiert Schmersal keine homogene Bildgestalt, sondern eine Annäherung an die zahlreichen Möglichkeiten der Selbstwahrnehmung. Er scheint hier malerisch umzusetzen, was Johann Caspar Lavater bereits in seinen Physiognomischen Fragmenten (1775–1778) als „zergliedernden“ zweiten Blick bezeichnet hat. Vor allem bei seinen Porträts wechselt Schmersal häufig die Bildformate, die besonders in den Rundungen des Ovals die Konturen des Gesichts akzentuieren – eine Variante, die an historische Erscheinungsformen von Bildnissen, die Form des Medaillons erinnern.

Seit Beginn des Millenniums könnte die Auswahl der Motive bei Schmersal kaum heterogener sein, vereinzelte Fixpunkte inmitten einer Vielzahl anderer Bilder, deren Umsetzung auch möglich gewesen wäre. Mit der Heraushebung als Malerei wirken sie ganz spezifisch: Das Medium verändert den Blick. Durch die sehr abgewogene Zusammenhanglosigkeit einzelner Motive (vgl. Seil, Karton, 2010, und Tüte, Seil, 2012) stellt Schmersal die unterschiedlichsten Arten von Autorenschaft, Stil, Genre und Verwertungskontext nebeneinander. So werden Farben ähnlich wie in der Pop Art kontrastreich gegenübergesetzt, zum Teil sogar in Graffiti-Manier gesprüht (vgl. Amor der Honigdieb und ich, 2011), dann kunsthistorische Vorlagen von Baldung Grien über Velàzquez bis Gustav Courbet in die Malerei der Gegenwart transformiert (vgl. Der behexte Stallknecht, 2009, und Gräfin Károly, 2005) oder, ganz allgemein, stehen Detailreichtum malerischer Reduktion, monochrome Farbflächen grob ausgeführten Schraffuren gegenüber. Motivisch gibt es weiterhin keine selbstauferlegten spezifischen Vorgaben, doch dominieren weiterhin Figur, Stillleben und Landschaft (vgl. Baumstumpf, Unterholz, 2011). Architektonische Elemente spielen im Bildrepertoire der vergangenen Jahre dagegen keine größere Rolle mehr.

Peter Schmersal weist in seiner künstlerischen Auseinandersetzung darauf hin, dass Malerei durch die Wechselwirkung zwischen Farbmaterie und Bildträger eine Bedeutung erhält. Er ist der Ansicht, „dass das Bildthema in seiner inhaltlichen Wirkung unmittelbar von seiner materiellen Textur abhängt. Das ist ein Aspekt, den ich im allgemeinen Malerei-Diskurs zu wenig berücksichtigt finde.“ Schmersal interessiert die bildnerisch-intuitive Intelligenz im Verhältnis zu deren Spiegelung im kollektiven Fundus. Hier liegt für ihn der Urtopos der Verwandlung begründet, gemäß der Äußerung von Henri Matisse, nach der die Bedeutung eines Künstler von den Zeichen abhängt, mit denen er die Kunst erweitert, um sie in diesem Bewusstsein wirksamer werden zu lassen.

Homepage PETER SCHMERSAL

Peter Schmersal – Maler

1952 in Wuppertal geboren

Lebt und arbeitet in Berlin und Wuppertal

Katalog zur Ausstellung
Ausstellungen

2018
Kunsthalle Viersen, Viersen D

2015  
Blumen Galerie , London
Kunstmuseum Solingen, Solingen (mit Holger Bär)
2013
Franz Paludetto, Turin, Castello di Rivara / Rivara
2012
Malerei, Galerie der Stadt Remscheid
2011
Malerei, Kunstsammlung Jena
2010/11
Peter Schmersal, Galerie Horst Schuler, Düsseldorf
2009
Blumen, Galerie Karsten Greve, Köln
2007
Gemälde, Galerie Karsten Greve, St. Moritz
2006
Neuere Gemälde, Galerie Karsten Greve, Paris
Mensch, Kunstverein Lippe, Lippische Gesellschaft für Kunst eV, Detmold
Peter Schmersal, Galerie Karsten Greve, Köln
2005
Peter Schmersal, Galerie Horst Schuler, Düsseldorf
2004
Malerei, Galerie Karsten Greve, Köln
Peter Schmersal, Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf
Peter Schmersal, Blumengalerie, London
2003
Neue Arbeiten, Galerie Karsten Greve, St. Moritz
2002
Peter Schmersal, Galerie Horst Schuler, Düsseldorf
Peintures récentes, Galerie Karsten Greve, Paris
Peter Schmersal, Kunstmuseum Solingen / Museum Baden, Solingen-Gräfrath
2001/02
Neue Arbeiten, Galerie Karsten Greve, Köln
2000
Peter Schmersal, Von der Heydt-Museum, Wuppertal
Dipinti. Opere Recenti, Galerie Karsten Greve, Mailand
Porträt. Landschaft. Stillleben, Galerie Michael Schultz, Berlin
Peter Schmersal, Galerie Karsten Greve, Köln
1999
Peter Schmersal, Galerie Lindig in Paludetto, Nürnberg 
Peter Schmersal, Galleri Gunnar Olsson, Stockholm
1998
Peter Schmersal, Galerie Karsten Greve, Köln
1997
Peter Schmersal, Galerie Karsten Greve, Paris
1996      
Peter Schmersal, Galerie Meyer-Ellinger, Frankfurt
Peter Schmersal, Galleri Gunnar Olsson, Stockholm
1995
Dipinti, Galerie Karsten Greve, Mailand
Franz Paludetto, Castello di Rivara, Turin
1994
Peter Schmersal, Galerie Karsten Greve, Köln
1993      
Galleri Gunnar Olsson, Stockholm
1992
Peter Schmersal, Galerie Karsten Greve, Paris
Peter Schmersal, Goethe-Institut, Paris
Peter Schmersal, Plinius von Martiis, Rom
1991  
Galerie der Winkel, Los Angeles, Edward Thorp Galerie, New York
1990  
Peter Schmersal, Galerie Karsten Greve, Köln

Gruppenausstellungen

2016
HANDS AB, TZR Galerie, Düsseldorf
2015
Die Beiläufigkeit der Dinge, Overbeck Gesellschaft, Lübeck
3 PITTORI TEDESCHI, Lemmerz, Schmersal, Schön, Franz Paludetto, Castello di Rivara
small is beautiful XXX, Flowers Gallery, London
2014
small is beautiful XXIX, Flowers Gallery, London
2011
Ich!, Künstlerporträts, Von der Heydt-Museum, Wuppertal
2010
Still Life, Margarete Roeder Gallery, New York
2008
Acchrochage, Galerie Karsten Greve, Paris
small is beautiful XXVI, Flowers Gallery, London
2007
Acchrochage, Galerie Karsten Greve, Köln
2006
Neue Malerei, Erwerbungen 2002 – 2005, Museum Frieder Burda, Baden-Baden
2004/05 
small is beautiful XXII, Flowers Gallery, London
2002
Acht Positionen zur Zeichnung, Museum Baden, Solingen
2000
Inaugural exhibition, Galerie Karsten Greve, Cologne
Von Angesicht zu Angesicht. Mimik-Gebärden-Emotionen, Museum Schloss Morsbroich, Leverkusen
1997
Von der Heydt-Museum, Wuppertal
National M. K. Ciurlionis Art Museum, Kaunas
1996
Pittura, Franz Paludetto, Castello di Rivara, Torino
1995
Das Abenteuer der Malerei, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf / Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
1994
Landschaften – Paesaggi, Franz Paludetto, Castello di Rivara, Torino
Renta-Preis / Renta Award, Kunsthalle Nürnberg
5 Künstler – 5 Räume, Kunst- und Museumsverein Wuppertal
Am Anfang war nur der Apfel. Die Frucht in der Malerei und Grafik des 20. Jahrhunderts, Dr. Rainer Wild – Stiftung, Heidelberg
1992
Mars Gallery, Tokyo

Publikationen

2013 – Peter Schmersal, Malerei, exh.cat. Galerie der Stadt Remscheid, ed. by Oliver Zybok (Text contributions: Alexander Guy, Thomas Hirsch, Oliver Zybok), Remscheid 2013

2011 – Peter Schmersal, Malerei, Ausstellungskatalog der Kunstsammlung Jena (Text contributions: Erik Stephan, Raimund Stecker, Egon Koch), Jena 2011

2006 – Museum Frieder Burda. Neue Malerei. Erwerbungen 2002 – 2005. Ed. by Stiftung Frieder Burda, Baden-Baden 2006, pp. 122–125.

2003  – Von der Heydt-Museum. Die Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts, ed. by Sabine Fehlemann. Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, p. 471, Von der Heydt-Museum, Wuppertal 2003

2002 – Acht Positionen zur Zeichnung, exh. cat. Kunstmuseum Solingen / Museum Baden (Text contributions:Gisela Elbracht-Iglhaut), Solingen 2000

2000 – Von Angesicht zu Angesicht. Mimik – Gebärden – Emotionen, Städtisches Museum Leverkusen, Schloß Morsbroich, ed. by Oliver Zybok (Text contributions: Ilske Konnerrtz), Seemann Verlag, Leipzig 2000

  • Peter Schmersal. Porträt, Landschaft, Stillleben, exh. cat. Galerie Michael Schultz (Text contributions: Raimund Stecker), Berlin 2000
  • Peter Schmersal, exh.cat. Von der Heydt-Museum, Wuppertal 2000

1999 – Peter Schmersal, exh.cat. Galerie Karsten Greve, Cologne (Text contributions: Sabine Fehlemann, Max Christian Graeff, Lucien Kayser, Raimund van Well), Cologne 1999

1995 – Peter Schmersal, exh. cat. Castello di Rivara, ed. by Franz Paludetto, (Text contributions: Raimund Stecker, Peter Schmersal), Torino 1995

  • Das Abenteuer der Malerei, Ausstellungskatalog, Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, ed. by Martin Hentschel und Raimund Stecker, Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1995

1994 – Peter Schmersal. Landschaften / Paesaggi, exh.cat. Castello di Rivara, ed. by Franz Paludetto (Text contributions: Christoph von Wolzogen), Torino 1994

  • 5 Künstler – 5 Räume, Ausstellungskatalog Kunst- und Museumsverein Wuppertal (Text contributions: Werner Braun), Wuppertal 1994
  • Renta-Preis, Kunsthalle Nürnberg, ed. by Renta-Gruppe Nürnberg & Kunsthalle Nürnberg (Text contributions: Martin Hentschel), Nürnberg 1994
  • Am Anfang war nur der Apfel. Die Frucht in der Malerei und Graphik des 20. Jahrhunderts. Exh.cat., ed. Dr. Rainer Wild – Stiftung, Heidelberg 1994, pp. 36/37

1990 – Peter Schmersal, Malerei, Peinture, Paintings, exh.cat. Galerie Karsten Greve (Text contributions: Peter Schmersal und Christoph von Wolzogen), Cologne 1990