Original Gurus und andere Werke – Stefan à Wengen 

Zu ihrer Eröffnung zeigt die neue Kunsthalle Viersen Werke des in Düsseldorf lebenden und arbeitenden Schweizer Künstlers Stefan à Wengen (*1964).

Dass sich Stefan à Wengen heute noch immer mit Porträtmalerei auseinandersetzt, ist unter anderem der Tatsache ihrer exklusiven Originalität und folglich deren kunstgeschichtlich verbürgten „Wahrheitsansprüchen“ geschuldet. So ist dieses Authentizitätsanrecht des Echten, des Originalen auch Bestandteil des Titels seiner mittlerweile 16-teiligen Porträtserie.

Stefan à Wengen fertigt zuvor in der Regel Collagen für seine Porträtbildvorlagen an und „fälscht“ zugleich auf diesem Wege seine Porträtvorlagen, die sich durch die anschließend ausgeführte, in Malerei übertragene Bilder wieder zur authentischen, zur verbürgten „wahren Legende“ der so Porträtierten herausbilden.

Die nicht auf Vollständigkeit beruhende Porträtserie der „Original Gurus“ bezieht sich bei Stefan à Wengens einstiger Reifung zum erwachsenen Maler auf seine damaligen persönlichen und mittlerweile verstorbenen Künstleridole, denen er demzufolge Bärte überhängte und somit auf die Symbolhaftigkeit des Weisen, Wissenden und Lehrenden anspielt. Dieses sehr maskuline und präpotente Attribut des Väterlichen beinhaltet für den Künstler sowohl den Ausdruck seiner damaligen jugendlichen und identitätsstiftenden Bewunderung, wie eben auch die augenzwinkernde Andeutung leisen Spotts gegenüber diesen gleichsam patriarchalisch viril wirkenden Vor-Bildern.

Auch bei seinen Pferdeporträts als Ganzfiguren, wie auch bei seinen Affenporträts, die sich auf das seit der Renaissance nobilitierte, jedoch noch unreflektierte Selbstporträt eines Künstlers rekurrieren, vollführt à Wengen auch hier seine Option, die für ihn heute nur in der Porträtmalerei noch möglich ist; die zuvor erschaffene motivische Bildvorlagenfälschung, die durch Malerei mit ihrem aus der Kunstgeschichte überlieferten Originalitätsanrecht gleichsam wiederum zur „wahren Erzählung“ wird.

In der im Jahr 2014 begonnenen Serie „Detected Dictionary“, die vorerst auf kein Ende angelegt und ausschließlich in schwarzweiß gehalten ist, setzt sich à Wengen mit autobiografischen Elementen, mit sein Werk beeinflussenden kunsthistorischen Komponenten, mit intimen, melancholischen und sentimentalen Bilderinnerungen auseinander. So auch in seiner Objektserie „Detected Objects“, die sich überdies auf Codierungen der Kunstgeschichte wie auch auf solche fremder Kulturen berufen und sich dergestalt mit einem universalen Fetischcharakter in Beziehung setzen.

Die Kunsthalle Viersen zeigt zudem auch erstmals, und in Anlehnung zur Ausstellung, eine Auswahl von à Wengens Arbeitsbüchern, die der Künstler parallel zu seinen Werken realisiert und ihm als individuelles Gedächtnis dienen.

Begrüßung Frank Schablewski, Schriftsteller
Es erscheint ein Katalog mit einem Text von Raimund Stecker (HBK Essen)

Stefan à Wengen
Original Gurus und andere Werke

16. September bis 28. Oktober 2017

Katalog zur Ausstellung